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28/11/2020 00:00

Pleasantville

Angenehm - umgänglich - ansprechend. Für jeden. Hauptsache allem gefallen, nicht aus der Reihe tanzen, sich einordnen, in der Masse aufgehen, den Ball flach halten, keine Veränderung, einfach, bekannt, behaglich. Bequem. Routine, bewährt.

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Kürzlich habe ich den Film "Pleasantville" zum ersten Mal gesehen. Ich liebe Filme, Geschichten im Allgemeinen. Und dieser Film hat mich wirklich bewegt. Auf so vielen Ebenen waren da Botschaften drin, die ich fantastisch finde:

Kurz die Handlung: ein Geschwisterpaar wird in eine TV Serie der 50er Jahre transportiert, in der sie eine gewisse Zeit ausharren müssen. Alles ist in schwarz weiß. Alles ist angenehm: jeder grüßt jeden, perfekte Vorgärten, die Frau kocht und das Essen steht auf dem Tisch, wenn der Herr des Hauses nach Hause kommt von der Arbeit. Heile Welt pur. Es gibt Burger und Milchshakes, Händchen-Halten ist das höchste der Gefühle, es scheint stets die Sonne und die Feuerwehr kennt kein Feuer, kümmert sich dafür um die Katze im Baum. Petticoat und Pudel-Pulli, Fön-Frisur und Cadillac.

Die beiden Neulinge bringen ganz schön Durcheinander in die heile Welt. Sie eröffnen Optionen, Erkenntnisse, gehen andere Wege, die inspirieren und den Alltagstrott verändern. Und je mehr die Bewohner die Perspektive wechseln oder sich selbst erkennen, was sie eigentlich gerne tun würden oder auf ihre Wünsche hören, je mehr zieht die Farbe in diese Welt ein. Zunächst eine Rose, dann ein Pullover, ein Auto... manche empören sich, "Das gab es noch nie!", "unerhört" und was sie nicht kennen, wird verteufelt und abgewehrt. Das Neue erscheint ungewohnt, ja bedrohlich, weil es die Ordnung auf den Kopf oder in Frage stellt. Auf einmal wird die Fantasie angeregt, Bücher füllen sich mit Geschichten und bringen Leben in die Köpfe: Vorstellungskraft, Ideen... 

Zunächst angsteinflößend, da unbekannt und das Altbekannte verändernd. Doch dann, als sie sich darauf einlassen, erfahren sie so viel mehr Lebendigkeit, Leben im Moment, Freude, Begeisterung, dass es das Risiko wert ist. Sie geben Altes, Sicheres auf um das neu entdeckte ICH, das, wofür sie brennen, was sie ausmacht zu leben und zu fördern. Und zurück wollen sie nicht, ist keine Option, da das Neue so viel aufregender, belohnender ist.

Das war so wunderbar dargestellt mit naiver Neugier auf der einen Seite und sturer Beharrlichkeit und Übertreibung auf der anderen Seite, dass es die Einfachheit der Nachricht um so mehr unterstrich: Veränderung ist ständig und gut. Ungewiss, ja und dadurch gerade belebend und aufregend. 

Auf sein Herz zu hören und dafür einzustehen, verletzlich, offen, dadurch stark. Bewertungen von außen auszuhalten, Raum geben, dem, was da schlummert und in die Welt darf. Und allen Zweifeln zum Trotz weiterzugehen, sich nicht aufhalten zu lassen von Rückschlägen oder Hindernissen. 

Fazit: Veränderung findet ständig statt und ist unaufhaltsam. Wenn ich meinem Herzen folge, erscheint die Welt vielleicht risikoreicher, sie ist aber auch bunter und lebenswerter als der routinierte Einheitsbrei.

Ich kann diesen Film nur empfehlen. Wunderschön und zart und eine wundervolle Botschaft.