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30/12/2020 00:00

Jahresrückblicke

Jahresrückblicke fand ich bisher oft überflüssig. Oder sie interessierten mich nicht. Bis gestern...

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Immer am Jahresende kommen sie: in jedem Programm, in Zeitschriften, im Radio, gefühlt fast überall: der Rückblick aufs Jahr.

Ich fand das meist blöd: Vergangenes, Altes neu aufwärmen, nochmal hervorholen. Ich habe mich gefragt, wieso das so ist bei mir und wieso viele Menschen das anscheinend wichtig finden.

Für mich ist das Hier und Jetzt wichtig. Ich denke nicht oft über Vergangenes nach und ich plane auch nicht unbedingt präzise meine Zukunft. Das hat Vor- und Nachteile: zum einen bin ich meist präsent und wirklich hier in dem, was ich tue. Meine Aufmerksamkeit ist also da. Ich kann spontan sein und mich auch kurzfristig entscheiden, da ja nicht viel geplant ist. Das hat eine Flexibilität, die mir gefällt. Ich hänge auch Dingen, die mich verletzt haben oder die schwer waren nicht ewig nach. Der Abschluss ist also auch oft gegeben. 

Auf der anderen Seite vergesse ich einiges, aus dem ich etwas hätte lernen können und darf diese Erfahrung vielleicht dann noch einmal machen. 

Was mir in den Rückblicken nicht gefallen hat ist, dass es meist die weniger schönen Ereignisse waren, die erwähnt wurden: Vulkanausbrüche, Unfälle, Persönlichkeiten, die verstorben sind, Regierungen und deren Entscheidungen, Krisen, Anschläge, Klimawandel, Umweltkatastrophen... usw. Das sind die Nachrichten und so funktioniert unser Gehirn: wir reagieren auf die krassen Dinge.

Und dieses Jahr 2020 steht für viele Menschen als DAS Katastrophen-Jahr: Gehaltseinbußen, Jobverlust, Kurzarbeit, Kein Urlaub, keine Reisen, vielleicht einen lieben Menschen verloren, Krankheit, Geschäft dicht machen, keine Feiern, Einschränkungen... ja. Vieles anders als gedacht, geplant, gewohnt. 

Und doch gibt es da gute Dinge: bei mir:

  • Ein Urlaub im Januar, Anfang des Jahres, der unglaublich beeindruckend war und von dem ich lange zehre und mich sooo gerne daran erinnere und ich mich einfach mega freue, dass wir diesen Urlaub dann auch einfach gemacht haben. Timing...
  • Karneval im Februar mit Verkleiden und Singen und Feiern, als es noch möglich war und die Ausmaße dieser Pandemie nicht bekannt waren.
  • Dann das Zuhause bleiben, da meine Arbeit im Flugzeug nicht möglich war. Zunächst seltsam, dann das Wertschätzen: wie toll es ist im eigenen Bett zu schlafen, nicht aus dem Koffer zu leben, einen Biorhythmus zu haben, beim Essen am Tisch zu sitzen und nicht im Stehen etwas zu "inhalieren".
  • Meditieren, regelmäßig und dadurch den Tag anders zu beginnen, Gleichmut und Gelassenheit, ein anderes Umgehen mit der Situation
  • Online Weiterbildungen zu machen, die Zeit anders zu nutzen, lernen, Neues entdecken.
  • Dankbarkeit kultivieren für so viele Dinge: unser soziales Netz, dass ich in diesem Land lebe, wo es mir so gut geht und es Kurzarbeit und Unterstützung überhaupt gibt (es ist gibt an vielen Ecken Verbesserungspotenzial...)
  • mich auf das besinnen, was mir wichtig ist. Die Routine war nicht mehr da, die mich sonst beschäftigt gehalten hat, sodass ich vieles auf den Prüfstand stellen konnte.

Dieses Jahr werde ich einen Rückblick für mich machen. Ich nehme mir jeden Monat vor und schaue drauf, was habe ich da gemacht und was war gut daran? Und dann habe ich am Ende mindestens 12 gute Dinge, die mir dieses Jahr gebracht hat. 

Und wenn doch der "war doch alles doof dieses Jahr" durchkommt, dann helfen mir diese zwei Fragen:

Was läuft denn GERADE ganz gut? (es muss nicht immer Superlativ sein: was läuft Bombe oder mega?) Einfach nur ganz gut?

Ich wohne in einer warmen Wohnung, werde nicht nass, wenn es draußen regnet. Ich kann mir etwas zu essen kochen. Der Kühlschrank ist voll. Ich muss an Weihnachten und Silvester nicht arbeiten.... 

Und die zweite Frage: Was soll sich NICHT ändern? 

Dann stoppe ich das Gedankenkarussell und werde mir der Dinge bewusst, die DA sind und nicht derer, die fehlen. Der Fokus macht den Unterschied. 

Also, was läuft bei Dir gerade so ganz gut?